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Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht
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*Bayernhexer*



Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 10:04


Hallo Hexagon-Freunde,

nachfolgend mchte ich meine Erfahrungen beim Wechsel der vorderen Scheibenbremse eines 125 LX Bj.99 teilen.
Zunchst mchte ich darauf eingehen das ich hier im Forum bei verschiedenen Beitrgen zu diesem Thema nachzulesen ist, dass die Radnabe nur mit Hilfe eines Abziehers von der Welle zu bekommen ist. Dies war in meinem Fall nicht so, die Nabe lie sich sehr leicht und ohne Hilfsmittel von der Welle nehmen. Als ersten Schritt nicht vergessen die Tachowelle auszubauen und die Tachoschnecke zu entfernen! Dann auf der Innenseite der Bremszange die kleinen Sicherungsschrauben (Imbus 6mm) der Bremsbelge entfernen und ebenfalls die greren Schrauben (Imbus 8mm) welche die Abdeckung der Bremszange halten.

Was allerdings grte Schwierigkeiten verursachte, waren die Schrauben der Scheibenbremse. Die im Forum vorgeschlagenen Tipps wie z. B. Schraubenkpfe mit dem Hammer anschlagen, heiss machen etc. brachten keinen Erfolg. Im Gegenteil, die Schraubenkpfe sind vom Material so weich, dass bei der Behandlung mit dem Hammer groe Gefahr besteht diese zu verformen und dann passt der Imbus nicht mehr!

In der Praxis werden die Schrauben beim ersten Wechsel der Bremsscheibe bereits verrostet und somit geschwcht sein wie es auch bei mir der Fall war. Die bentigte Kraft um die mit Schraubensicherungsmasse eingedrehten Schrauben zu lsen ist so hoch, dass man vermutlich alle Kpfe des Innensechskant (6mm Imbus) rund dreht.

Es blieb mit keine andere Mglichkeit. als alle Schraubenkpfe (6 Stck) auszubohren und anschlieend den verbleibenden Rest vom Schraubenkopf sauber mit einem Meissel abzuschlagen (damit das darunter liegende Gewinde einen sauberen Schnitt hat, was fr den nchsten Schritt sehr wichtig ist!).

Danach habe ich vertikal zum Schraubengewinde mit der Metallsge eine Nut in die Schraube gesgt die breit genug ist, damit anschlieend ein Schraubenzieher hinein passt. Nachfolgend habe ich jeweils die Schraubengewinde mit einem kleinen Gasbrenner stark erwrmt (nicht Glhend um das Nabengewinde nicht zu beschdigen) und konnte nun relativ leicht die Restgewinde rausdrehen. Hier mchte ich auch noch mal anmerken, dass es keinen Sinn macht (um sich die Arbeit mit der Sgerei zu sparen) zu versuchen die Schraubengewinde mit einer Zange rauszudrehen. Das berstehende Gewinde ist zu kurz um ausreichend viel Kraft aufzubringen. Man wrde nur die Schraube kaputt drehen.

Auch mchte ich davon abraten, mit der groen Ltlampe oder dem Schweissbrenner die Schraubengewinde heiss zu machen. Dies wrde vermutlich die ganze Nabe so erhitzen, dass die Lager und Simmerringe beschdigt wrden. In meinem Fall habe ich einen kleinen Gasbrenner in den Abmessungen wie ein Kugelschreiber verwendet, den ich soweit ich mich erinnere mal bei Conrad Elektronik gekauft habe und den man z. B. zum verlten dickerer Kabel hernimmt.

An dieser Stelle sein auch noch mal auf das Thema Radlager und abschmieren hingewiesen:
In der Radnabe befindet sich abgedichtet von jeweils einem Simmerring auf der Vorderseite ein Kugellager (das eigentliche Radlager) und auf der Rckseite innen ein Nadellager. Beide sind fest eingepresst und knnen meiner Meinung nach ohne spezielle Werkzeuge und Vorrichtungen aus der Motorrad-Werkstatt nicht gewechselt werden ohne Beschdigungen zu verursachen.

Alterungsbedingt ist das Fett i. d. R. verschlieen und verschmutzt und muss vollstndig entfernt werden! Die groben Reste mit Finger und Schraubenzieher. Anschlieend so lange mit Bremsenreiniger (ca. 2 Dosen Verbrauch) von allen Seiten aussprhen bis alle Lager und die Innenseite der Nabe vllig fettfrei sind. Durch drehen mit dem Finger prfen, ob die Lager leicht laufen und nicht rauh laufen weil vielleicht noch Schmutz in ihnen ist. Es muss peinlich genau auf Sauberkeit geachtet werden das kein Schmutz in die Lager kommt, insbesondere das feine Nadellager.

Nun mit gutem Hochtemperatur-Lagerfett (habe bei ATU gnstig sehr gutes HT-Fett grn in einer weien Tube bekommen) mit dem Finger die Lager mit Fett einmassieren und dabei die Lager immer wieder drehen. Anschlieend den Hohlraum zwischen Radlager und Nadellager vollstndig mit Fett fllen. Der berschuss drckt sich dann hinterher bei der Montage der Nabe auf der Welle wieder raus.

Auf der Rckseite der Nabe auen ist eine Verzahnung fr den Antrieb des Tachoschnecke. Hier wird wohl schon werksmig ein anderes Schmierfett als fr die Lager verwendet was schmutzabweisend ist. Demzufolge habe ich hier das bewhrte Fett Optimol Paste white verwendet (was man z. B. bei Schindelar oder Stahlgruber bekommt bzw. in Fachgeschften mit KFZ-Handwerkerbedarf). Die Verzahnung gut mit dem weissen Fett einreiben. Anschlieend den Hohlraum um den Achsstumpf (wo die Tachoschnecke sitzt) ebenfalls gut abschmieren und mit Fett fllen. berschssiges Fett wird bei Montage der Nabe wieder durch die ffnung der Tachoschnecke gedrckt. Darauf achten, dass kein Fett auf die neue Bremsscheibe kommt!

Die neue Bremsscheibe (richtig herum!) mit neuen Original Piaggio Schrauben (mit Loctite Mittelfest Normal -Schraubensicherungsmasse) montieren, sodass die KBA-Nummer zur linken Fahrzeugseite in Fahrtrichtung zeigt. Anzugsmoment 5~15 NM

Nun vorsichtig die Radnabe auf die Welle aufsetzen und dabei drehen (damit sich das Fett innen gut verteilt). Die (neue) Radmutter hat ein Anzugsmoment von ca. 45~55 NM. Hier sein auch noch mal darauf hingewiesen, dass man das Radlager nicht einstellen kann. Es ist ja bei vielen Fahrzeugen der Fall, dass mit der Radmutte auch das Radlager Spiel eingestellt wird. Dies ist bei der Hexagon wie gesagt nicht der Fall. Wenn man Radlager Spiel hat, ist das Lager defekt und muss beim Fachhndler gewechselt werden.

Unbedingt sollte man nur mit einem Drehmomentschlssel die Radmutter anziehen da bei zuviel Anzugsmoment vermutlich das Radlager beschdigt wird!

Abschlieend Sicherungskappe wieder auf die Radmutter setzen und natrlich mit neuem Sicherungs-Splint versehen.

Nach Montage der neuen Bremsbelge und Verschraubung mit der Bremszange , Montage der Tachoschnecke, alles nochnal grndlich mit Bremsenreiniger aussprhen damit auf keinen Fall auf der Bremsscheibe oder den Belgen Fettrckstnde verbleiben wodurch die Belge irreparabel beschdigt werden.

Arbeitsaufwand fr alle Arbeiten inkl. neuer Befllung und Entlftung der Bremsanlage ca. 4~5 Stunden.
 
     
erwilud



10810 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 11:04


Hallo Ingo

Respekt Respekt

Selten einen derartig detaillierten Bericht gelesen hier, wirklich gut.
Da einige Begriffe die normalen Schrauberkenntnise berschreiten interessiert mich mal dein Beruf.
Antworten mu du natrlich nicht wre aber nett

Gru
Erwin


Gendert von erwilud am 22.Jul.2012 18:13
 
     
niko5757




2879 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 17:51


Schner Bericht, sehr detailliert.
Zum Thema Schrauben, die sich nicht ffnen lassen habe ich noch eine Bemerkung:
Wenn ich eine planmssige Reparatur habe, dann sprhe ich die zu lsenden Schrauben schon einige Tage vorher mit Rostlser ein.
Ich hatte noch nie das Problem dass eine Schraube sich danach nicht htte lsen lassen.
Bei der Bremsscheibe ist das natrlich keine so gute Idee, denn dann kann ich nach dem Einsprhen den Roller nicht mehr benutzen, aber wenn ich mir damit die Heissmacherei der Stahlschrauben in der Alunabe sparen kann, lasse ich den Roller auch gerne mal 2 Tage stehen.

lg, Martin


Spritmonitor.de
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*Bayernhexer*



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 19:28


[QUOTE]
niko5757:

Schner Bericht, sehr detailliert.
Zum Thema Schrauben, die sich nicht ffnen lassen habe ich noch eine Bemerkung:
Wenn ich eine planmssige Reparatur habe, dann sprhe ich die zu lsenden Schrauben schon einige Tage vorher mit Rostlser ein.
Ich hatte noch nie das Problem dass eine Schraube sich danach nicht htte lsen lassen.
Bei der Bremsscheibe ist das natrlich keine so gute Idee, denn dann kann ich nach dem Einsprhen den Roller nicht mehr benutzen, aber wenn ich mir damit die Heissmacherei der Stahlschrauben in der Alunabe sparen kann, lasse ich den Roller auch gerne mal 2 Tage stehen.

[QUOTE]

Hallo Martin,

ganz allgemein hast Du sicher Recht mit dem Rostlser und man bekommt festsitzende Schrauben oder Muttern wieder gngig.
In dem Fall der Bremsscheiben-Schrauben wre das aber vermutlich sinnlos. Zwar nutzt Rostlser die physikalischen Eigenschaften von Flssigkeiten per Kapillarkraft auch an unzugngliche Stellen "zu kriechen". Da die genannten Schrauben allerdings mit Schraubensicherungsmasse eingedreht sind, kann Rostlser dort nicht wirken. Es bestnde auch ein gewisses Risiko, dass der agressive Rostlser andere Bauteile, Bremse oder Lack angreift.


 
     
Andreas_Stgt




1769 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 21:08


Genau!
Der Rostlser kommt bei den kleinen+langen Inbuschrauben der Scheibe gar nicht zum Ziel.
Ganz anders ist das bei Auspuffschrauben oder Krmmerschrauben - da liegt viel mehr frei zugnglich wo das langsam reinkriechen kann.
Zudem halten die kleinen Inbusschrauben auch nicht viel Drehkraft aus und sind schnell hinber.
 
     
niko5757




2879 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 22:26


Hallo Schrauberkollegen,
Also ihr knnt von mir aus fachsimpeln ob der Rostlser in die Gewindegnge kommt oder nicht, ich mache ihn trotzdem drauf.
Und wenn er nur den Rost am Kopf lst und nicht im Gewinde hilft es auch was.
Und ausserdem wisst Ihr doch garnicht, ob diese Schrauben berhaupt noch original mit Schraubensicherung versehen sind, oder ob nicht schon jemand die Scheibe gewechselt hat und keine Schraubensicherung verwendet hat.
Und zu guter Letzt: Die meisten Inbusschrauben werden deswegen vermurkst, weil in dem Innensechskant Dreck oder Lack/Farbe drin ist und der Sechskant nicht richtig im Schraubenkopf steckt, und deshalb dann beim Lsen der Sechskant ausgenudelt wird. Und da hilft der Rostlser auch noch den Dreck zu lsen.
Und agressiv ist Rostlser auch nicht, jedenfalls der den ich verwende. Der zerfrisst keine Bremsenteile oder den Lack ... so ein Bldsinn

Aber egal, jeder so wie er denkt.

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Overdrive




4686 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 19 Aug. 2012 05:40


Schner Schrauber Bericht. Also schn geschrieben, das alles festgegammelt ist ist mies.

Meine Meinung: Dat Problem ist die Alu-Korrosion. Erkennbar an so nem trockenen weien Belag auf den Schrauben (rausgedreht). Das backt dann fest wie Sau. Quietscht auch beim Rausdrehen.

Wie schon gesagt, am besten vorbehandeln, Rostlser, Warmmachen, Klopfen..

Und dann mglichst mit Knebel, Nuss mittig lsen anstatt Ratsche. Dann hat der Schraubenkopf noch etwas mehr Chancen bevor er die Biege macht.
 
     
Hexe in weinrot




1829 Beitrge

RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 19 Aug. 2012 08:50


Guter, sehr detaillierter Bericht... bersteigt leider meine Schrauberfhigkeiten und auch die Ausstatttung meiner "Werksttt" bei weitem - kann aber nicht schaden trotzdemn zu wissen woman nachlesen kann wie‘s gehen wrde Danke dafr jedenfalls!

und dann noch das Kleingedruckte: immer schn

und dann

und natrlich:


Bla aus Hildesheim
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rote Hexengre aus der Rbenwste!
 
     
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