Hallo zusammen es wurde im Breicht fürs Überwintern über Benzin gesprochen. Dazu mal ein paar Anmerkungen von mir Allgemeines über Benzin. Die Diskussion, welche Qualität das Benzin an freien Tankstellen oder Supermarkttankstellen im Vergleich zu Markentankstellen besitzt, ist so alt, wie es diese Tankstellen gibt. Nachfolgend findet ihr einige Fakten zu Benzin im allgemeinen und zu Qualitätsunterschieden im speziellen. Weiterhin wird inzwischen an Markentankstellen eine nahezu nicht mehr überschaubare Anzahl von Kraftstoffsorten angeboten, in letzter Zeit vorzugsweise sogenannte Premiumkraftstoffe zum extremen Preis. Auch hierzu finden ihr einige Angaben, aus denen ihr ableiten könnt, ob es für euch sinnvoll ist, dieses Benzin zu tanken. Letztendlich findet ihr hier auch einige Anmerkung zu neuen Benzinsorten, die nicht unter die Norm EN228 fallen wie das E10, dessen Markteinführung im Jahr 2011 in Deutschland so grandios daneben gegangen ist. Benzinqualität Benzin könnt ihr an den Tankstellen der großen Markenhersteller tanken oder aber zum meist günstigeren Preis an freien Tankstellen oder Supermarkttankstellen. Am Stammtisch und auch hier im Forum wird der Nicht-Markenkraftstoff oft mißtrauisch gesehen, und man unterstellt ihm gern eine schlechte Qualität. Um zu untersuchen, ob dies den Tatsachen entspricht, wollen wir uns erst einmal anschauen, was an den Tankstellen verkauftes Benzin überhaupt ist und wie die Markenhersteller arbeiten: Benzin sprich Kraftstoff für Ottomotoren ist ein Gemisch aus verschiedenen, üblicherweise aus Erdöl gewonnenen Kohlenwasserstoffen, und zwar hauptsächlich sogenannte Aromaten, Alkane und Alkene, die grob zwischen 4 und 12 Kohlenstoffatomen enthalten. Zusätzlich sind Additive z.B. zur Steigerung der Klopffestigkeit wie Ether (früher Äther), MTBE bzw. ETBE oder Alkohole üblich. Weiterhin enthält Benzin in kleiner Menge Korrosionsschutzmittel, Oxidationsschutzmittel, Emulgatoren etc. In Europa an Kunden verkauftes Benzin muß der Europanorm EN228 entsprechen. In dieser Norm ist festgelegt, welche Benzinbestandteile in welcher maximalen Konzentration zulässig sind, welche Klopffestigkeit (ROZ = im schönsten Deutschenglisch Research-Oktan-Zahl) die unterschiedlichen Benzine (Normal, Super und Super Plus) haben müssen, welchen Dampfdruck sie haben dürfen bzw. haben müssen, wie der Siedeverlauf aussehen muß, in welchem Bereich sich die Dichte bewegen muß, wieviele Abdampfrückstände zulässig sind, wie die Zapfsäulen markiert sein müssen, welche Prüfmethoden bei der Überprüfung der Benzinqualität eingehalten werden müssen und vieles mehr. Ottokraftstoff nach EN228 ist daher ein streng reglementiertes, standardisiertes und offengelegtes Produkt, was typisch für genormte Produkte ist. Die Zusammensetzung des Benzins nach EN228 dürfen die Raffinerien also nur innerhalb der durch diese Norm gesetzten Grenzen variieren. Die Klopffestigkeit muß dabei mindestens ROZ95 ("Super" oder "Super 95", umgangssprachlich "95 Oktan") bzw. ROZ98 ("Super Plus" oder "Super 98", umgangssprachlich "98 Oktan") betragen. Normalbenzin mit ROZ91 ist in der EN228 zwar ebenfalls definiert, wird in Deutschland aber seit ca. 5 Jahren nicht mehr verkauft. Auf dieses der Norm EN228 entsprechende Benzin legen auch alle Automobilhersteller ihre Motoren für den europäischen Markt aus, wobei die Motoren auch eine Urlaubsfahrt mit schlechtem Sprit, dessen Klopffestigkeit unter ROZ95 respektive ROZ98 liegt, schadlos überstehen müssen (kurzzeitig). Wieviel niedriger die Klopffestigkeit sein darf, ist je nach Autohersteller unterschiedlich und hängt auch davon ab, auf welchen Märkten die Fahrzeuge in unverändertem Zustand verkauft werden. Üblich ist eine Stufe, d.h. Normal- statt Superbenzin bzw. Superbenzin statt Super Plus. Für Märkte mit von der EN228 abweichendem Benzin (z.B. Brasilien, wo oft pures Ethanol verwendet wird) werden übrigens oft ganz andere Motoren verwendet, was man als Endkunde allerdings nicht ohne weiteres erkennen kann, da sich Hubraum und Maximalleistung zwar von den europäischen Motoren unterscheiden können aber nicht notwendigerweise müssen. In Deutschland gibt es nur eine beschränkte Anzahl von Raffinerien, ca.15 Stück. Aber nicht alle stellen Benzin her; die anderen Raffinerien beliefern den gesamten deutschen Markt. Wenn jeder Markenhersteller von seinen eigenen Raffinerien nur seine eigenen Tankstellen belieferte, würde dies weite Transportwege und damit hohe Auslieferungskosten nach sich ziehen, habe ich früher schon einmal beschrieben . Daher gibt es schon lange eine Übereinkunft, daß sich die Markenhersteller gegenseitig beliefern, um die Transportwege kurz zu halten, was uns allen nutzt. Eine Raffinerie versorgt somit stets alle Tankstellen in seiner Umgebung - auch die der Konkurrenz. Dies könnt ihr übrigens selbst prüfen, wenn ihr euch vor das Tor einer beliebigen Raffinerie stellt . Ihr werdet feststellen, daß an einer einzelnen Raffinerie ein reger Betrieb von Tankwagen aller Marken herrscht, die alle das gleiche Benzin tanken. Mit diesem Benzin werden auch alle freien Tankstellen oder Supermarkttankstellen beliefert. Insofern gibt es keinen qualitativen Unterschied zwischen den verschiedenen Marken oder auch Nicht-Marken. Um ihren Qualitätsanspruch aufrechtzuerhalten und damit die hohen Preise zu rechtfertigen, streuen die Markenhersteller gern die Gerüchte, daß ihr Benzin zusätzlich mit Additiven versetzt sei, die beispielsweise die Ventile sauberhalten oder eine bessere Verbrennung gewährleisten sollen. Daß dies nur dummes Zeugs sein kann, sehet ihr schon an der zugesetzten Menge Richtig ist, daß beim Markenbenzin nach dem Betanken des jeweiligen Tankwagens eine kleine Menge Farbstofflösung in der für die jeweilige Marke typischen Farbe zugesetzt wird, während bei der Ware für freie Tankstellen und Supermärkte der Farbstoffzusatz unterbleibt.: 5 Liter auf eine Tankfüllung von z.B. 25.000 Liter ergeben eine Konzentration von lediglich 0,02%. Diese Konzentration ist viel zu gering, als daß damit viel erreicht werden kann; es reicht zum Färben, und nicht zu mehr. Zum Vergleich: Ventilreiniger oder Vergaserreiniger z. B. LM, den man im Zubehörhandel kaufen kann, wird oft mit 500 ml auf eine Tankfüllung von 50 l dosiert (bei großen Tanks muß man also mehr reinkippen oder darf nicht volltanken). Das sind dann 1%, also 50mal mehr. Sehr wichtig für uns ist der Heizwert des Benzins sprich, wieviele kJ (kilo-Joule) an Energie pro Volumeneinheit in ihm steckt und bei der Verbrennung freigesetzt wird. Dieser Wert ist nämlich entscheidend für den Verbrauch. Leider wird er von keinem Hersteller angegeben. Der Heizwert schwankt je nach Zusammensetzung des Benzins ein wenig, da nach EN228 eine gewisse Bandbreite in der Zusammensetzung des Benzins zulässig ist. Generell besitzt Normalbenzin mit ROZ91 einen geringfügig höheren Heizwert als Superbenzin mit ROZ95. Dieses wiederum besitzt einen geringfügig höheren Heizwert als Super Plus mit ROZ98. Der höheroktanige Sprit ist also was den Brennwert angeht schlechter als das Benzin eine Nummer tiefer. Die Erklärung dafür ist einfach: Um hochoktanigen Sprit herzustellen, werden Stoffe zugesetzt, die die Klopffestigkeit erhöhen. Wenn man einen auf Normalbenzin ausgelegten Motor mit z.B. Super Plus betreibt, tut man ihm keineswegs etwas Gutes, die höhere Klopffestigkeit kann er überhaupt nicht nutzen, sondern es steigt sogar der Verbrauch (wenn auch nur unwesendlich). Wenn man andererseits einen Motor auf höheroktaniges Benzin durch eine höhere Verdichtung auslegt, sinkt der Verbrauch trotz des etwas geringeren Heizwerts, unsere Hexen sind aber auf 95 Oktan ausgelegt so das Super Plus rein gar nichts bringt. Ausser vielleicht etwas mehr Startunwilligkeit Nebenbei bemerkt besitzt Dieselkraftstoff einen um ca. 20% höheren Heizwert als Benzin. Dies bedeutet, daß Dieselmotoren aus genau diesem Grund zum Erreichen der gleichen Leistung wie ein Benzinmotor ca.20% weniger Kraftstoff brauchen, wenn man vom gleichen Wirkungsgrad der Motoren ausgeht bei gleicher Leistung. Das zeigt ja auch die Erfahrung. Premiumbenzin Einige Hersteller bieten zusätzlich zum Standardsprit sogenanntes Premiumbenzin an, das eine höhere Klopffestigkeit besitzt - beispielsweise Super Plus mit ROZ100 oder gar ROZ102 statt der üblichen ROZ98. In letzter Zeit kamen Kraftstoffe hinzu, die eine höhere Motorleistung ergeben sollen, und solche, bei denen die Hersteller einen geringeren Verbrauch versprechen. Was davon bei unseren Hexen zu halten ist könnt ihr euch jetzt denken nämlich nichts. Die sind dafür nicht ausgelegt. Das Zeugs ist für Motoren mit einer sehr hohen Verdichtung die ansonsten zum Klopfen neigen würden. Das haben wir aber bei unseren Hexen (selbst im getunten Zustand) nicht Superplus ROZ 100/102 In Deutschland werden seit einigen Jahren Kraftstofe mit ROZ100 oder gar ROZ102 angeboten, obwohl ich kein einziges serienmäßiges Auto kenne, das die hohe Klopffestigkeit auch wirklich braucht oder ausnutzen kann. Die große Masse der Motoren ist nämlich auf Superbenzin mit ROZ95 (also Super 95) abgestimmt, und nur vergleichsweise wenige, vor allem leistungsstarke Fahrzeuge sind auf Super Plus mit ROZ98 ausgelegt. Die Verdichtung der Motoren ist dabei aus Gründen der Energieeffizienz jeweils so hoch wie möglich gewählt. Sie muß aber gleichzeitig niedrig genug sein, damit es auch mit im bedingten Rahmen schlechtem Sprit nicht zum gefürchteten Klopfen kommt, das den Motor innerhalb weniger Umdrehungen völlig zerstören kann. Die Abstimmung des Motors auf Benzin mit beispielsweise ROZ95 bedeutet dabei nicht nur, daß die Verdichtung des Motors an diesen Kraftstoff angepaßt wurde, sondern daß auch insbesondere das Zündzeitpunkt unter Verwendung dieses Sprits ermittelt wird. Das haben unsere Wassergekühlten Hexen auch. Bei den Luftgekühlten Motoren meine ich ist keine Zündzeitpunktverstellung eingebaut. Dazu kann aber Hansi (DAT2T)mehr sagen. Das "Premium"Benzin richtet zwar keinen Schaden am Motor an aber an unserem Geldbeutel, denn der Preis ist meistens deutlich höher als der des völlig ausreichenden Standardsprits mit passender Klopffestigkeit. Endergebnis: Die Verwendung von Benzin mit höherer Klopffestigkeit 98 oder 100/102 Oktan ist völliger Blödsinn und bietet in Bezug auf Leistung oder Benzinverbrauch unserer Hexen keinerlei Vorteil Racingbenzin Manche Markenhersteller bieten Kraftstoff an, der eine höhere Motorleistung verspricht als konventionelles Benzin. Aber wenn schon eine höhere Oktanzahl keine Leistungssteigerung verspricht, kann man dann mit speziellem Benzin eine Leistungssteigerung erreichen? Ja, theoretisch kann man das. Der Trick dabei ist, bei Motoren, die bereits existieren und bei denen eine erhöhte Oktanzahl daher sinnlos ist, nicht die Oktanzahl unnötig zu erhöhen, sondern Benzin zusammenzumischen, das einen höheren Energieinhalt sprich einen höheren Heizwert besitzt als Standardware. Das ´Zeugs kann aber schnell 100 Euro pro Liter kosten (gabs mal für Formel 1 Motoren) Leider liefern die Hersteller keine Angaben zum Heizwert dieses Benzins. sondern versprechen "bis zu x % mehr Leistung". Diese Aussage ist aber auch bei "0% mehr Leistung" korrekt. Bei einigen Messungen auf unseren Prüfständen gibt es im direkten Vergleich zum normalen Sprit maximal eine Mehrleistung von 1%, bei einem 100-PS-Auto ergibt das also 101 PS. Insgesamt lagen die Werte aber im Bereich der Messtoleranz. Schon normale Luftdruck- oder Temperaturunterschiede wirken sich stärker aus, wobei die Motorleistung umso höher ist, je höher der Luftdruck und je niedriger die Lufttemperatur ist. Ein Grund dafür das Motoren bei großen Höhen (Passtrassen) an Leistung verlieren. Da ist es der Luftdruck) Benzin für weniger Verbrauch Benzinsparen ist angesichts des hohen Ölpreises und der Bestrebungen, möglichst wenig CO2 zu erzeugen, groß in Mode und eigentlich gut so. So ist es nicht wirklich verwunderlich, daß die Industrie „Benzinsparbenzin“ anbietet, mit dem man pro Tankfüllung angeblich mehr Kilometer zurücklegen kann. Versprochen werden beispielsweise bis zu 1 l pro Tankfüllung von 50 Litern, was 2% entspricht. Rein technisch erreichen könnte man das durch einen um 2% höheren Energieinhalt des Benzins. Aber erstens handelt es sich um eine "bis zu"-Aussage, die nur unter günstigsten und mitunter sehr praxisfernen Voraussetzungen erreicht werden kann, siehe auch den VW Abgasskandal. Und zweitens fällt in der Praxis wie schon oben beschrieben der theoretische Vorteil deutlich geringer aus, so daß man ihn in der Praxis nur schwer nachweisen kann (wir konnten es bisher nicht). Die Erklärungen auf den Herstellerseiten, die den Verbauchsvorteil mit einer verbesserten Schmierwirkung erklären wollen, sind für mich eine Frechheit und technisch nicht nachzuvollziehen: Was schmiert, ist schließlich das Motoröl und nicht der Sprit. Und wenn das Benzin auf der Zylinderwand zu einer besseren Schmierwirkung führen würde, müßte nicht nur der Ölhersteller etwas massiv falsch gemacht haben, weil sein Öl nicht richtig schmierte, sondern zusätzlich auch der Motorhersteller, der sein Verbrennungsverfahren nicht im Griff hätte, denn das Benzin sollte sich bei warmem Motor keinesfalls an den Zylinderwänden niederschlagen, was Grundvoraussetzung für einen Einfluß auf die Schmierwirkung ist. Und das seit über 130 Jahren. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch das Motoren von vor etwas über 100 Jahren nur bis 4,5 bis5.5 verdichtet werden konnten weil ansonsten zur Selbstzündung kam. Das wurde erst etwas später beseitigt als die Benzinindustrie es schaffte Benzine herzustellen die höhere Verdichtungen abkonnten. Damit stieg dann auch schlagartig die Leistung. Auch brauchten die ersten Motoren mehr Öl als Benzin. In dem Zusammenhang was Benzinverbrauche angehtJ Kurz bevor ich in Rente ging hatte ich einen Motor auf dem Prüftand (wir haben derer 3 Stück, einer davon ist einer der größten in Europa und kann 1000 KW bremsen) der ziemlich genau 189 Liter Sprit pro Stunde brauchte (bei absoluter Vollast). Es war ein PKW Motor (V12). Wer von euch eine Verbrauchsanzeige im Auto hat kann ja mal (in der Einstellung momentaner Verbrauch) nachsehen was die Anzeige anzeigt. Da werden selbst für einen Golf sehr schnell 40-50 Liter angezeigt beim Beschleunigen. Es gibt zwar zur Zeit keine unabhängigen Praxismessungen, aber die Erklärungsversuche der Wirkungsweise führte bei uns nur zu lautem Gelächter. Die Einflußmöglichkeiten, die wir als Fahrer auf den Benzinverbrauch haben, sind um Größenordnungen größer, als es mit Benzin je möglich wäre; eine Verbrauchsreduzierung um 10-20% erzielt man schon leicht dadurch, daß man nicht ganz so fest am Gasgriff dreht wie wir es gerne tunJ E 10 Benzin Unter der Bezeichnung E10 verbirgt sich ein Kraftstoff, der 10% Ethanol (daher das "E"") enthält. (ob er es auch tut ist eine ganz andere Sache) Ethanol wird auch Ethylalkohol oder Weingeist genannt; es ist der ganz nomale Trinkalkohol. Der Hintergrund für die E10-Einführung ist ausschließlich die Erfüllung von Umweltauflagen. Denn Ethanol gilt nach dem Willen der Politiker als regenerativer Energieträger und bleibt bei der Berechnung des CO2-Ausstoßes (CO2 = Kohlendioxid, ein ungiftiges Gas, das in gelöster Form als Kohlensäure oft in Erfrischungsgetränken enthalten ist) der Fahrzeuge unberücksichtigt. Wenn also ein Fahrzeug mit einem ethanolfreien Kraftstoff beispielsweise 200 g CO2 pro Kilometer emittiert, sind es zwar bei Verwendung von E10-Kraftstoff nach wie vor 200 g/km, aber es werden entsprechend dem Alkoholanteil 10% nicht gezählt, wodurch die realen 200 g/km auf dem Papier auf 180 g/km sinken. Die völlig überstürzte E10-Markteinführung ca. 2011, welches als Ersatz des bisherigen Superbenzins mit ROZ95 geplant war, scheiterte jedoch völlig, da auf Kundenseite kaum jemand E10 tanken wollte und will. Interessant ist in diesem Zusammenhang ist, daß bei z.B. Feuerwehr und Polizei zeitgleich die Verwendung von E10 generell per Dienstanweisung untersagt wurde. Auf der anderen Seite wollte man dem Kunden das Tanken von E10 mit dem Argument schmackhaft machen, daß es für die allermeisten Fahrzeuge Herstellerfreigaben gäbe. Eine bestehende Herstellerfreigabe heißt aber noch lange nicht, daß der jeweilige Hersteller das betreffende Fahrzeug auch wirklich langfristig mit diesem Kraftstoff getestet hat. Von einer erprobten E10-Festigkeit kann man nämlich nur dann reden, wenn während des gesamten Entwicklungsprozesses E10 verwendet wurde, und das kann nur bei Fahrzeugen der Fall sein, deren Entwicklungsbeginn nach 2008 liegt. Weil dort die ersten Forderungen nach E 10 kamen. Erhöhung des Alkohalgehaltes auf 10 % Für Kollegen, die technisch nicht so versiert sind, hier erst einmal zwei Argumente, warum eine Verdopplung des Alkoholgehalts (im Benzin) nicht problemlos ist: 1. Bananen können bis zu 1% Alkohol enthalten, ebenso einige Fruchtsäfte. Bananen geben wir gern an unsere Kinder, würden ihr auf die Idee kommen, denen ein Leichtbier mit ca. 2% Alkoholgehalt zum Trinken zu geben? 2. Eine wässrige Lösung mit 25% Ethanolgehalt brennt nicht, mit 50% Ethanolgehalt jedoch problemlos. Bei Verdopplung der Konzentration verändern sich also durchaus einige Eigenschaften. Ethanolkorossion Aluminium ist ein im Motorenbau verbreitetes, sehr unedles Metall, das nur deswegen an der Luft relativ beständig ist, weil es auf der Oberfläche Aluminiumoxid bildet, das das darunterliegende Aluminium vor Korrosion schüzt. Die Schicht bildet sich in sehr kurzer Zeit (deswegen schon mal Probleme beim Schweissen) Ethanol kann abhängig von Konzentration und Temperatur Aluminium trotzdem angreifen, nämlich wenn die Oxidschicht sehr dünn oder gar beschädigt ist (ein extrem kleiner Kratzer reicht aus). In Gegenwart von Luft würde blankes Aluminium sehr schnell wieder oxidieren und dadurch die Schutzschicht wiederherstellen, aber in einem Kraftstoffsystem ist nur Kraftstoff aber keine Luft vorhanden, weshalb dieser Selbstreparaturmechanismus außer Kraft gesetzt ist. Bei E5 liegt die zur Ethanoltbildung notwendige Temperatur glücklicherweise so hoch, daß sie in der Praxis nicht erreicht wird, weil vorher der Kraftstoff siedet. Ab ungefähr 10% Ethanolbeimischung sinkt die für Ethanolatkorrosion erforderliche Temperatur jedoch soweit, daß sie im Rahmen der üblichen Betriebstemperaturen und unterhalb des Siedebereichs des Kraftstoffs liegt. Sobald sie einsetzt, schreitet die Ethanolatkorrosion sehr schnell voran. Reines Aluminium kommt im Automobilbau so gut wie nie zum Einsatz, fast immer sind es Legierungen (wie Al MnSi5 z.B. Das heisst das es Aluminiumlegierungen gibt die anfällig aber auch Legierungen gibt die unanfällig sind. Das Problem beim Einsatz von E10 ist, daß die Automobilhersteller ihre Motoren und das gesamte Kraftstoffsystem seit vielen Jahren auf Benzin gemäß EN228 mit max. 5% Ethanol ausgelegt haben. Betroffen von Ethanolkorosion sind dabei entgegen der üblichen Argumentation (auch hier im Forum) keineswegs Motorblöcke oder Zylinderköpfe, weil sie nicht oder nur ganz kurzfristig in Kontakt mit flüssigem Kraftstoff/Ethanol kommen. Betroffen sind vielmehr Bauteile des Benzinsystems wie z.B. der Vergaser oder die Benzinpumpe. Eine Ethanoltkorrosion tritt nur bei hohen Temperaturen auf und wird bei Einsatz von E10 daher bei unseren Hexen eher nicht auftreten. Ich selber tanke schon mal E 10 wenn es gerade nichts anderes gibt oder ich das Zeugs in der Garage habe. Kunststoffe Nicht nur der Tank sowie die Kraftstoffleitungen und weitere Bauteile im kraftstofführenden System sind bei einigermaßen modernen (hi hi) Fahrzeugen aus Kunststoff hergestellt. Die Bandbreite der möglichen Fehlermöglichkeiten ist dabei sehr groß. Beispielsweise kann das Ethanol bestimmte Bestandteile wie z.B. Weichmacher aus dem Kunststoff herauslösen, die dann nach längerer Betriebsdauer zu Problemen führen. Das Ethanol kann langfristig jedoch auch dazu führen, daß Dichtungen oder Kraftstoffleitungen quellen oder verspröden und im schlimmsten Fall zu Undichtigkeiten führen. Wobei wir mit Undichtigkeiten ja unsere Erfahrungen habenJ Wassergehalt des Benzins Rein mineralisches Benzin kann höchstens ca. 500 ppm Wasser lösen (=0,05%). Bei 5% Ethanolgehalt sind es bei Raumtemperatur jedoch schon mehr als 2500 ppm (=0,25%), und bei 10% sind es mehr als 10.000 ppm =1%. Da Ethanol hygroskopisch ist (wie unsere Bremsflüssigleit auch), zieht ethanolhaltiger Kraftstoff Wasser aus der Luft an (Luftfeuchtigkeit). Dazu hat es im Tanklager der Raffinerien, in den Tanks der Transportfahrzeuge bzw. der Tankstelle sowie im Fahrzeugtank samt der diversen Umfüllvorgänge oder beim Tanken ausreichend Gelegenheit. Wasser kann korrodierend auf Metalle, bei unseren Hexen haben wir diese allerdings nicht. Außerdem führt Wasser bei vielen Kunststoffen dazu, daß sie quellen. Dabei ist das Quellen bei gleichzeitigem Vorhandensein von Ethanol und Wasser ganz erheblich höher als bei Ethanol oder Wasser alleine. Dieses Quellen kann (muß aber nicht) bei bewegten kraftstofführenden Teilen aus Kunststoff zum Steckenbleiben und damit zum Liegenbleiben des Fahrzeugs führen. Preis und Vergleich In Deutschland wird Stand September 2011 E10 meistens 3 Ct. pro Liter billiger verkauft als Super 95 gemäß EN226, welches heutzutage 5% Ethanol enthält. Bei einem E10-Preis von 1,50 €/l entsprechen 3 Ct. genau 2%, Ethanol hat einen geringeren Heizwert als mineralisches Benzin, wodurch bei Zugabe von Ethanol der Verbrauch steigt. Gegenüber E5 besitzt E10 einen um ca. 1,8% geringeren Heizwert, was einen genauso großen Mehrverbrauch ausmacht. Der Mehrverbrauch kompensiert den niedrigeren Preis von E10 ab einem Benzinpreis von ca. 1,66 € also vollständig. Durch das Tanken von E10 hat man daher als Endkunde noch nicht einmal einen finanziellen Vorteil. Steigt der Benzinpreis noch weiter, zahlt man mit E10 sogar drauf. Das wars für heute, wem das zuviel ist muß es ja nicht lesen Gruß Erwin |