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Hexe in weinrot



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 19 Aug. 2012 08:50


Guter, sehr detaillierter Bericht... übersteigt leider meine Schrauberfähigkeiten und auch die Ausstatttung meiner "Werksttt" bei weitem - kann aber nicht schaden trotzdemn zu wissen woman nachlesen kann wie‘s gehen würde Danke dafür jedenfalls!

und dann noch das Kleingedruckte: immer schön

und dann

und natürlich:


Béla aus Hildesheim
________________________________
rote Hexengrüße aus der Rübenwüste!
 
     
Overdrive



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 19 Aug. 2012 05:40


Schöner Schrauber Bericht. Also schön geschrieben, das alles festgegammelt ist ist mies.

Meine Meinung: Dat Problem ist die Alu-Korrosion. Erkennbar an so nem trockenen weißen Belag auf den Schrauben (rausgedreht). Das backt dann fest wie Sau. Quietscht auch beim Rausdrehen.

Wie schon gesagt, am besten vorbehandeln, Rostlöser, Warmmachen, Klopfen..

Und dann möglichst mit Knebel, Nuss mittig lösen anstatt Ratsche. Dann hat der Schraubenkopf noch etwas mehr Chancen bevor er die Biege macht.
 
     
niko5757



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 22:26


Hallo Schrauberkollegen,
Also ihr könnt von mir aus fachsimpeln ob der Rostlöser in die Gewindegänge kommt oder nicht, ich mache ihn trotzdem drauf.
Und wenn er nur den Rost am Kopf löst und nicht im Gewinde hilft es auch was.
Und ausserdem wisst Ihr doch garnicht, ob diese Schrauben überhaupt noch original mit Schraubensicherung versehen sind, oder ob nicht schon jemand die Scheibe gewechselt hat und keine Schraubensicherung verwendet hat.
Und zu guter Letzt: Die meisten Inbusschrauben werden deswegen vermurkst, weil in dem Innensechskant Dreck oder Lack/Farbe drin ist und der Sechskant nicht richtig im Schraubenkopf steckt, und deshalb dann beim Lösen der Sechskant ausgenudelt wird. Und da hilft der Rostlöser auch noch den Dreck zu lösen.
Und agressiv ist Rostlöser auch nicht, jedenfalls der den ich verwende. Der zerfrisst keine Bremsenteile oder den Lack ... so ein Blödsinn

Aber egal, jeder so wie er denkt.

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Andreas_Stgt



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 21:08


Genau!
Der Rostlöser kommt bei den kleinen+langen Inbuschrauben der Scheibe gar nicht zum Ziel.
Ganz anders ist das bei Auspuffschrauben oder Krümmerschrauben - da liegt viel mehr frei zugänglich wo das langsam reinkriechen kann.
Zudem halten die kleinen Inbusschrauben auch nicht viel Drehkraft aus und sind schnell hinüber.
 
     
*Bayernhexer*



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 19:28


[QUOTE]
niko5757:

Schöner Bericht, sehr detailliert.
Zum Thema Schrauben, die sich nicht öffnen lassen habe ich noch eine Bemerkung:
Wenn ich eine planmässige Reparatur habe, dann sprühe ich die zu lösenden Schrauben schon einige Tage vorher mit Rostlöser ein.
Ich hatte noch nie das Problem dass eine Schraube sich danach nicht hätte lösen lassen.
Bei der Bremsscheibe ist das natürlich keine so gute Idee, denn dann kann ich nach dem Einsprühen den Roller nicht mehr benutzen, aber wenn ich mir damit die Heissmacherei der Stahlschrauben in der Alunabe sparen kann, lasse ich den Roller auch gerne mal 2 Tage stehen.

[QUOTE]

Hallo Martin,

ganz allgemein hast Du sicher Recht mit dem Rostlöser und man bekommt festsitzende Schrauben oder Muttern wieder gängig.
In dem Fall der Bremsscheiben-Schrauben wäre das aber vermutlich sinnlos. Zwar nutzt Rostlöser die physikalischen Eigenschaften von Flüssigkeiten per Kapillarkraft auch an unzugängliche Stellen "zu kriechen". Da die genannten Schrauben allerdings mit Schraubensicherungsmasse eingedreht sind, kann Rostlöser dort nicht wirken. Es bestünde auch ein gewisses Risiko, dass der agressive Rostlöser andere Bauteile, Bremse oder Lack angreift.


 
     
niko5757



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 17:51


Schöner Bericht, sehr detailliert.
Zum Thema Schrauben, die sich nicht öffnen lassen habe ich noch eine Bemerkung:
Wenn ich eine planmässige Reparatur habe, dann sprühe ich die zu lösenden Schrauben schon einige Tage vorher mit Rostlöser ein.
Ich hatte noch nie das Problem dass eine Schraube sich danach nicht hätte lösen lassen.
Bei der Bremsscheibe ist das natürlich keine so gute Idee, denn dann kann ich nach dem Einsprühen den Roller nicht mehr benutzen, aber wenn ich mir damit die Heissmacherei der Stahlschrauben in der Alunabe sparen kann, lasse ich den Roller auch gerne mal 2 Tage stehen.

lg, Martin


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erwilud



RE: Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 11:04


Hallo Ingo

Respekt Respekt

Selten einen derartig detaillierten Bericht gelesen hier, wirklich gut.
Da einige Begriffe die normalen Schrauberkenntnise überschreiten interessiert mich mal dein Beruf.
Antworten muß du natürlich nicht wäre aber nett

Gruß
Erwin


Geändert von erwilud am 22.Jul.2012 18:13
 
     
*Bayernhexer*



Scheibenbremse wechseln - ein Praxisbericht, 22 Jul. 2012 10:04


Hallo Hexagon-Freunde,

nachfolgend möchte ich meine Erfahrungen beim Wechsel der vorderen Scheibenbremse eines 125 LX Bj.99 teilen.
Zunächst möchte ich darauf eingehen das ich hier im Forum bei verschiedenen Beiträgen zu diesem Thema nachzulesen ist, dass die Radnabe nur mit Hilfe eines Abziehers von der Welle zu bekommen ist. Dies war in meinem Fall nicht so, die Nabe ließ sich sehr leicht und ohne Hilfsmittel von der Welle nehmen. Als ersten Schritt nicht vergessen die Tachowelle auszubauen und die Tachoschnecke zu entfernen! Dann auf der Innenseite der Bremszange die kleinen Sicherungsschrauben (Imbus 6mm) der Bremsbeläge entfernen und ebenfalls die größeren Schrauben (Imbus 8mm) welche die Abdeckung der Bremszange halten.

Was allerdings größte Schwierigkeiten verursachte, waren die Schrauben der Scheibenbremse. Die im Forum vorgeschlagenen Tipps wie z. B. Schraubenköpfe mit dem Hammer anschlagen, heiss machen etc. brachten keinen Erfolg. Im Gegenteil, die Schraubenköpfe sind vom Material so weich, dass bei der Behandlung mit dem Hammer große Gefahr besteht diese zu verformen und dann passt der Imbus nicht mehr!

In der Praxis werden die Schrauben beim ersten Wechsel der Bremsscheibe bereits verrostet und somit geschwächt sein wie es auch bei mir der Fall war. Die benötigte Kraft um die mit Schraubensicherungsmasse eingedrehten Schrauben zu lösen ist so hoch, dass man vermutlich alle Köpfe des Innensechskant (6mm Imbus) rund dreht.

Es blieb mit keine andere Möglichkeit. als alle Schraubenköpfe (6 Stück) auszubohren und anschließend den verbleibenden Rest vom Schraubenkopf sauber mit einem Meissel abzuschlagen (damit das darunter liegende Gewinde einen sauberen Schnitt hat, was für den nächsten Schritt sehr wichtig ist!).

Danach habe ich vertikal zum Schraubengewinde mit der Metallsäge eine Nut in die Schraube gesägt die breit genug ist, damit anschließend ein Schraubenzieher hinein passt. Nachfolgend habe ich jeweils die Schraubengewinde mit einem kleinen Gasbrenner stark erwärmt (nicht Glühend um das Nabengewinde nicht zu beschädigen) und konnte nun relativ leicht die Restgewinde rausdrehen. Hier möchte ich auch noch mal anmerken, dass es keinen Sinn macht (um sich die Arbeit mit der Sägerei zu sparen) zu versuchen die Schraubengewinde mit einer Zange rauszudrehen. Das überstehende Gewinde ist zu kurz um ausreichend viel Kraft aufzubringen. Man würde nur die Schraube kaputt drehen.

Auch möchte ich davon abraten, mit der großen Lötlampe oder dem Schweissbrenner die Schraubengewinde heiss zu machen. Dies würde vermutlich die ganze Nabe so erhitzen, dass die Lager und Simmerringe beschädigt würden. In meinem Fall habe ich einen kleinen Gasbrenner in den Abmessungen wie ein Kugelschreiber verwendet, den ich soweit ich mich erinnere mal bei Conrad Elektronik gekauft habe und den man z. B. zum verlöten dickerer Kabel hernimmt.

An dieser Stelle sein auch noch mal auf das Thema Radlager und abschmieren hingewiesen:
In der Radnabe befindet sich abgedichtet von jeweils einem Simmerring auf der Vorderseite ein Kugellager (das eigentliche Radlager) und auf der Rückseite innen ein Nadellager. Beide sind fest eingepresst und können meiner Meinung nach ohne spezielle Werkzeuge und Vorrichtungen aus der Motorrad-Werkstatt nicht gewechselt werden ohne Beschädigungen zu verursachen.

Alterungsbedingt ist das Fett i. d. R. verschließen und verschmutzt und muss vollständig entfernt werden! Die groben Reste mit Finger und Schraubenzieher. Anschließend so lange mit Bremsenreiniger (ca. 2 Dosen Verbrauch) von allen Seiten aussprühen bis alle Lager und die Innenseite der Nabe völlig fettfrei sind. Durch drehen mit dem Finger prüfen, ob die Lager leicht laufen und nicht rauh laufen weil vielleicht noch Schmutz in ihnen ist. Es muss peinlich genau auf Sauberkeit geachtet werden das kein Schmutz in die Lager kommt, insbesondere das feine Nadellager.

Nun mit gutem Hochtemperatur-Lagerfett (habe bei ATU günstig sehr gutes HT-Fett grün in einer weißen Tube bekommen) mit dem Finger die Lager mit Fett einmassieren und dabei die Lager immer wieder drehen. Anschließend den Hohlraum zwischen Radlager und Nadellager vollständig mit Fett füllen. Der Überschuss drückt sich dann hinterher bei der Montage der Nabe auf der Welle wieder raus.

Auf der Rückseite der Nabe außen ist eine Verzahnung für den Antrieb des Tachoschnecke. Hier wird wohl schon werksmäßig ein anderes Schmierfett als für die Lager verwendet was schmutzabweisend ist. Demzufolge habe ich hier das bewährte Fett Optimol Paste white verwendet (was man z. B. bei Schindelar oder Stahlgruber bekommt bzw. in Fachgeschäften mit KFZ-Handwerkerbedarf). Die Verzahnung gut mit dem weissen Fett einreiben. Anschließend den Hohlraum um den Achsstumpf (wo die Tachoschnecke sitzt) ebenfalls gut abschmieren und mit Fett füllen. Überschüssiges Fett wird bei Montage der Nabe wieder durch die Öffnung der Tachoschnecke gedrückt. Darauf achten, dass kein Fett auf die neue Bremsscheibe kommt!

Die neue Bremsscheibe (richtig herum!) mit neuen Original Piaggio Schrauben (mit Loctite Mittelfest Normal -Schraubensicherungsmasse) montieren, sodass die KBA-Nummer zur linken Fahrzeugseite in Fahrtrichtung zeigt. Anzugsmoment 5~15 NM

Nun vorsichtig die Radnabe auf die Welle aufsetzen und dabei drehen (damit sich das Fett innen gut verteilt). Die (neue) Radmutter hat ein Anzugsmoment von ca. 45~55 NM. Hier sein auch noch mal darauf hingewiesen, dass man das Radlager nicht einstellen kann. Es ist ja bei vielen Fahrzeugen der Fall, dass mit der Radmutte auch das Radlager Spiel eingestellt wird. Dies ist bei der Hexagon wie gesagt nicht der Fall. Wenn man Radlager Spiel hat, ist das Lager defekt und muss beim Fachhändler gewechselt werden.

Unbedingt sollte man nur mit einem Drehmomentschlüssel die Radmutter anziehen da bei zuviel Anzugsmoment vermutlich das Radlager beschädigt wird!

Abschließend Sicherungskappe wieder auf die Radmutter setzen und natürlich mit neuem Sicherungs-Splint versehen.

Nach Montage der neuen Bremsbeläge und Verschraubung mit der Bremszange , Montage der Tachoschnecke, alles nochnal gründlich mit Bremsenreiniger aussprühen damit auf keinen Fall auf der Bremsscheibe oder den Belägen Fettrückstände verbleiben wodurch die Beläge irreparabel beschädigt werden.

Arbeitsaufwand für alle Arbeiten inkl. neuer Befüllung und Entlüftung der Bremsanlage ca. 4~5 Stunden.
 
     


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